Monaco 2017 - Tag 1 (2)

Ursprünglich hatte ich mir überlegt, jedes Einzelsymposium das ich heute besuchtt habe kurz zusammenzufassen. Davon bin ich jetzt doch abgekommen. Das hat vor allem zwei Gründe. Nicht nur dass der Aufwand bei der geballten Flut an Information enorm hoch wäre, die Kernaussage hätte sich ohnehin wiederholt, ganz unabhängig vom jeweiligen Thema.

Es ist davon auszugehen, dass die einzelnen Präsentationen in absehbarer Zeit online stehen, einige werde auch als Video abrufbar sein oder sind es schon, ich hatte noch keine Zeit nachzuschauen. Daher möchte ich mich an dieser Stelle auf die wichtigsten Punkte beschränken, die sich aus allen Vorträgen herauslesen lassen:

 

IOCprev2017 Programm vom Donnerstag
die besuchten Vorträge und Symposien des heutigen Tages
Mitschrift IOCprev2017
immer schön aufmerksam sein und mitschreiben

 

1. Prävention wirkt. Mit geeigneten Trainingsinterventionen lassen sich Verletzungen nachhaltig vermeiden, seien es Muskelverletzungen (Hamstrings), Kapsel-Band-Verletzungen (Sprunggelenk, Kreuzband...), Kopfverletzungen (Gehirnerschütterung) oder andere

 

2. Prävention wirkt nicht! Beispielhaft dafür ist die Tatsache, dass sich die Anzahl der Hamstringverletzungen im Fussball in den letzten Jahren nicht verringert hat. Sie ist sogar leicht gestiegen

 

3. Prävention ist nicht sexy! Übungen werden nicht gemacht, sind zu kompliziert, es besteht kein wirkliches Interesse daran, Ignoranz, Anzweifeln der Studienlage, Meinungen zählen mehr als Tatsachen

 

4. Eine Politik der kleinen Schritte könnte wirksam sein. Lieber die entsprechenden Protokolle vereinfachen, dann sind sie vielleicht weniger effektiv, werden aber zumindest durchgeführt und tragen somit dennoch zu einer höheren Wirksamkeit bei

 

5. Vorbilder helfen. Was nutzt die beste Forschungslage, wenn sie keine Untersützung findet? Wenn aber ein Superstar sich für eine Massnahme hergibt und sagt "ich mach das weil's cool ist" dann machen es alle nach, wirksam oder nicht (Negativbeispiel Nahrungsergänzungsmittel, Hologrammarmbänder, etc...). Fände sich ein prominenter Sportler der sich für ein Präventionsprogramm stark macht, wäre die Implementierung wesentlich einfacher

 

6. Die Wirksamkeit vieler Programme zeigt sich nicht schnell genug. Was interessiert mich jetzt wie lange meine sportliche Karriere noch dauert, wenn ich weiss dass ich morgen nicht spielen kann? Dann lieber ein Schnellschuss mit dem Risiko einer Wiederverletzung - kann ja auch gutgehen. Man weiss es nicht.

 

7. Ähnliches gilt für die Kosten. Entscheidern (Trainern, aber auch Funktionären und - um ein ganz grosses Bild zu zeichnen - Politikern) muss klar sein vieviel sich langfristig sparen lässt, auch wenn kurzfristig erstmal Kosten entstehen. Denn dann kann entsprechend "von oben" interveniert werden. Es geht schliesslich nicht nur um Leistungssport, sondern um Gesundheit an sich.

 

8. Die Rolle des Gehirns ist nicht zu unterschätzen. Das gilt fürs korrekte Abrufen von Bewegungsmustern, fürs Schmerzempfinden aber letztlich auch - und das ist die traurige Seite, sonst könnte alles so einfach sein - für den gesunden Menschenverstand.

 

9. Soziokulturelle Faktoren müssen stets mit berücksichtigt werden. In unterschiedlichen Umgebungen zählen unterschiedliche Werte, ebenso hat Gesundheit einen unterschiedlichen Stellenwert. Für den einen ist eine Verletzung "nur" ein Kostenfaktor, für den anderen geht es um den Verlust der sozialen Anerkennung bis hin zur nackten Existenz.

 

10. Gibt's eigentlich nicht, aber es klingt einfach besser als 9 :-)

 

Mehr dann morgen...