Rekord? Verdächtig!

Ich bin weit davon entfernt zu behaupten alle Sportler seien gedopt. Genausoweit entfernt bin ich im Übrigen davon zu behaupten alle Sportler sind sauber. Was mich allerdings stört ist die Grauzone dazwischen, vor allem wenn sie unterschiedlich bewertet wird. Das organisierte Dopingprogramm in Russland lässt sich nicht dadurch wegbeten dass man lange genug nicht hinschaut. Daher wäre es nur konsequent gewesen, das gesamte Team von den Spielen auszuschliessen und nicht nur Leichtathleten, Gewichtheber und ein paar andere unglückliche Sündenböcke. So kommt jeder russische Erfolg in Rio mit einem gewissen Beigeschmack daher. Dies bedeutet aber NICHT, dass man bei jedem Wettkampf kritiklos mit dem Finger auf Putin's böse Doper zeigen sollte - um gleichzeitig das Problem in anderen Ländern totzuschweigen. Und im eigenen Land sowieso.

 

Der pulverisierte 10000m Weltrekord der Äthiopierin Alaz Ayana wird allgemein mit Argwohn betrachtet, gelingt aber der Amerikanerin Katie Ledecky etwas Ähnliches über 800m Schwimmen, dann wird sie von allen bejubelt. Zur Erinnerung: unter den amerikanischen Leichtathleten befinden sich mit Dennis Mitchell, LaShawn Merritt und Justin Gatlin mindestens drei Teilnehmer mit einer mehr als einschlägigen Dopingvergangenheit. Und bevor alle bösen Russen an den Pranger gestellt werden, könnte man genauso auf Kenia verweisen, wo korrupte Funktionäre eine Art Freikaufsystem installiert haben, auf Äthiopien, wo lange Zeit keinerlei Trainingskontrollen stattgefunden haben, auf den Veranstalter Brasilien, wo in drei Monaten vor den Spielen überhaupt nicht kontrolliert wurde - mit dem Hinweis dass dies aufgrund der entzogenen Akkreditierung des Labors von Rio schlicht nicht möglich gewesen sei. Und bei uns? Die Machenschaften an der Freiburger Uni? Schon vergessen?

Am besten jeder kehrt erstmal vor seiner eigenen Tür. Aber bitte gründlich!!